13-Nov-2005
Zur
Zeit arbeiten drei Physiotherapeutinnen von Ladakh-Hilfe e.V. in Leh
und Umgebung.
Folgende
Kinder werden von uns behandelt und mit Hilfsmitteln versorgt:
Im
NIPWD (The Namgyal Institut for People with Disabilities) in Leh werden
regelmässig 2x wöchentlich drei Mädchen mit CP behandelt:
Die
10 jährige Nimalamo: Die Behandlungschwerpunkte sind im
Moment das Stehen und Üben der Feinmotorik. Sie wurde von uns mit
Splints (vorübergehenden Schienen) versorgt und kann inzwischen
über längere Zeit mit wenig Hilfe stehen. Nach einem Hausbesuch,
von dem wir ziemlich erschüttert waren, wie ärmlich, ohne
Toilette, die Mutter mit ihren Kindern in nur einem Raum lebt, hatten
wir die Idee, Nimalamo mit einem Toilettenstuhl zu versorgen (Plastikstuhl
mit Loch in der Sitzfläche und Eimer darunter), der jedoch nicht
benutzt wird.
Rigzin,
das Ursprungskind ist inzwischen 5 Jahre alt. Sie
wird meist regelmässig von der Oma oder Mutter zur Behandlung gebracht
(wenn das nicht klappt, machen wir Hausbesuche). Sie hat von uns Einlagen
und neue Schuhe bekommen.
Padma,
die wir seit kurzem in Behandlung haben, ist eine lächelnde kleine,
11 Monate alte Schönheit, die leider so unbeweglich
liegen bleibt, wie man sie hingelegt. Wir versuchen, sie zu grösserer
Beweglichkeit zu motivieren, ihre Hände zum Greifen und zur Kontaktaufnahme
zu benutzen, Hände und Füsse zusammen zu bringen, den Kopf
zu drehen oder ihn in Bauchlage zu heben. Bisher leider fast ohne Erfolg.
In
Leh behandeln wir ausserdem eine 45 jährige, bettlägrige Frau
mit schwerer rheumatischer Erkrankung, mit Einschränkungen in sämtlichen
Gelenken. Sie und wir hoffen, dass die regelmässige Physiotherapie
weiteren Kontrakturen vorbeugen kann.
Bei
einer anderen Patientin mit einer rheumatischen Erkrankung mussten wir
die Behandlung kürzlich einstellen. Der Amchi hatte ihr vor weiterer
physiotherapeutischer Behandlung abgeraten, da sich ihre Schmerzen jeweils
nach den Behandlungen verschlimmern würden.
Die
regelmässigen Besuche und die Schmerzbehandlungen des Amchi, der,
wie bei uns, die Funktion eines jahrelangen, vertrauensvolle Hausarztes
hat, spielen für beide Frauen eine wichtige Rolle, die wir natürlich
respektieren.
In
Leh wird ausserdem Norbu, ein 4 jähriger, hellwacher, athetotischer
Junge behandelt, bei dem wir gerade aus der Säule in der Wohnküche
für ihn einen Stehständer basteln wenn er fertig ist,
werden wir das Photo ins Netz stellen! Seine Mutter erwartet unter grossen
Ängsten im Januar ein Baby, sie will zur Entbindung nach Chandigar
fliegen, da sie den Ärzten hier nicht mehr vertraue - wie sie uns
sagte.
Seit
dem Sommer wird von uns 2x wöchentlich ein Mann nach einer schweren
Hirnblutung mit doppelseitiger Plegie behandelt, der
jetzt jedoch den kalten Winter in Delhi verbringen wird.
Mit
dem Schulbus fahren wir 1x wöchentlich ins Mahabodi
zu unseren drei körperlich und geistig behinderten
Frauen (die vierte ist inzwischen ausgestiegen). Wir behandeln sie in
einer Kleingruppe, was uns viel Spass macht, jetzt meist draussen in
der Sonne, da es im Übungsraum eisig kalt ist. Unsere Behandlungsangebote
gehen von Pflastermalereien mit bunter Kreide, über Tanzen nach
der beliebten Summerhit-Musik, Ballspiele mit Pezzi-Igel-Stoffbällen,
Luftballons, Bewegungen mit Tüchern und Seilen, Geländetraining,
Auffädeln von bunten Nudelketten und was wir Physios sonst noch
so alles auf dem Kasten haben.
Ebenfalls
mit dem Schulbus fahren wir morgens um 8 Uhr 1x wöchentlich in
die Lamdon Model School nach Shey, um Jigmet, einen 10 jährigen
Jungen mit einer Halbseitensymptomatik zu behandeln. Sein absolutes
Hobby ist Fussballspielen, so dass während der Physiotherapie um
den Fussball gerankt wird.
Diese
Fahrt nach Shey verbinden wir mit einem Hausbesuch bei Angmo,
einem 16 jährigen, intelligenten Mädchen mit schwerster Spastik
und Sprachproblemen, die ihre Zeit ausschliesslich auf dem Bett
liegend verbringt, da sie selbst, wenn sie total fixiert im Stuhl sitzt,
durch heftigste Spasmen aus dem Stuhl katapultiert wird. Wir können
sie nur zu zweit durchbewegen und haben solche heftigen, krampfartigen
Spasmen in unserer ganzen Praxis noch nie erlebt. Natürlich haben
wir uns nach ihrer Medikamenteneinnahme erkundigt. Die Mutter, eine
sehr engagierte Frau, die Angmo täglich versucht durchzubewegen,
war mit ihr bereits zweimal für mehrere Monate im Spastikerzentrum
in Delhi und ist dort gut angeleitet worden.
In
Choklamsar behandeln wir drei Kinder, davon eine Jugendliche, regelmässig:
Den
authistischen , 8 jährigen Stanzin. Ein Highlight in unserer
Behandlung war kürzlich ein Spaziergang mit ihm durch die Dorfstrassen,
bei dem er seine schicken Pantoffeln ausführte und uns durch die
Strassen zog.
Jigmet,
einen 8 jährigen Jungen mit CP, dessen Ernährungszustand
sich leider zusehends verschlechtert, der aber Lagewechsel in der Behandlung
inzwischen viel besser, als noch im Sommer, akzeptiert und zunehmend
von uns vertikalisiert wird und das gut toleriert. Er bekam einen Bauchliegekeil
von uns und hat Interesse an einer kleinen Regendusche mit Glöckchen
und Glitzerpapier, die wir, selbst fabriziert und über seinem Liegeplatz
aufgehängt haben.
Rinchen,
eine 16 jährige junge Frau mit einer rechtsseitigen Hemiplegie,
haben wir inzwischen mit einer Handschiene versorgt, mit der sie gut
umgehen kann. Sie benutzt diese geschiente Hand jetzt zum Cricket- und
Würfelspielen.
Schwierig
zu erreichen ist nach wie vor Chuchot Yokma und Chuchot Hostel. Da die
Kinder in beiden Orten regelmässig behandelt werden müssen,
haben wir in den letzten Wochen beide Orte mit einer Taxifahrt verbunden,
anders war besonders Chuchot Yokma nicht zu erreichen.
In
Chuchot Yokma leben Zarina und Nargis.
Zarina,
ein schwer spastisches, 8 jähriges Mädchen macht leider
kaum Fortschritte. Damit sie die Finger ihrer rechten Hand nicht noch
weiter aufweicht und anknabbert, haben wir ihr jetzt einen Handschuh,
innen Fell, aussen Plastiktischdecke, genäht.
Bei
Nargis, einem 18 jährigen, authistischen jungen Mädchen
haben wir herausgefunden, dass sie es liebt, wenn wir ihren gesamten
Körper mit einem Massagegerät oder einem Plastiktopfkratzer
bearbeiten. Dann scheint sie sich zu spüren, reagiert
beruhigt und legt sich entspannt auf den Bauch, lächelt gewinnend
und ist gegenüber ihrem sonstigen, eher abwehrenden Verhalten,
kaum wiederzuerkennen.
Im
Hostel von Chuchot behandeln wir 3 Kinder:
Samina,
schon eine junge Dame, mit - durch Skoliose - schwer verformtem
Oberkörper und starken Schwächen in den Extremitäten
und im Rumpf.
Padma,
ein pfiffiger 14 jähriger Lauser an CP erkrankt, der unbedingt
stehen und gehen will, was aber schier unmöglich ist bei seinen
Spasmen und Fussstellungen. In Planung sind von unserer Seite aus Splints.
Amir,
aus dem Nubra Valley, seit dem Sommer im Hostel, ein charmanter
10 Jähriger, schwer von seiner Athetose betroffen, von uns mit
einem Rollstuhltisch versorgt.
In
Stok wird weiterhin 2x wöchentlich Lazes behandelt,
jetzt mit einer Einlage und Splint versehen. Nachdem die Gebetsfahne
im Hof nun hochgezogen wurde ist auch das Seil frei, um die vom Schreiner
angefertigte Brettschaukel aufzuhängen.
Dann
haben wir einige Aussenstellen, die wir versuchen,
soweit es möglich ist, 1x wöchentlich zu besuchen. Die Fahrprobleme
sind jedoch ein echtes Problem, da die Busse so selten verkehren und
kaum Autos, mit denen wir trampen könnten, in diese abgelegenen
Täler fahren.
Da
ist einmal der Ort Phyang, wo der 8 jährige Norbu mit seiner
Familie lebt, sehr athetotisch durch CP. Er wurde von uns mit
einem Rollstuhltisch versorgt, ebenso mit Einlagen und Schuhen. Um ihm
das Stehen zu ermöglichen, arbeiten wir gerade an einer kreativen
Stehtischkonstruktion, die wir an seinem Rollstuhl befestigen.
Im
Nachbartal in Taru haben wir kürzlich ein 13 jähriges
Mädchen, Stanzin, mit einer Muskeldystrophie besucht und
behandelt, die den ganzen Tag auf ihrer Matratze in der Küchenecke
sitzt. Für sie haben wir eine Sitzschale für ihren Rollstuhl
ausgemessen , die wir noch herstellen müssen.
In
zwei Tälern nördlich von Nimoo und Basgo haben wir vor 3 Wochen
zwei Jungen mit CP gesehen, von denen der athetotische, 16 jährige
Junge in Nimoo behandlungsbedürftig ist. Wir waren inzwischen
zweimal dort um ihn mit einem Rollstuhltisch, Bauchliegekeil, Sandsackabduktionskeil,
mit Gurten und mit Kommunikationstafeln zu versorgen.
Bei
einer 2 tägigen Fahrt Ende Oktober in das Nomadengebiet Changtang
in den Durbuk-District mit Health-Workern vom NIPWD (The Namgyal
Institute for People with Disabilities) haben wir insgesamt etwa 18
Patienten gesehen, darunter allerdings sehr viele ältere Changtang-Bewohner,
die mit Rollstühlen und Gehhilfen von Stanzin, einem Orthopädietechniker,
der für das DDRC (Staatl.Krankenhaus) arbeitet, versorgt wurden.
Wir haben dabei beim Anpassen der Rollstühle, der Achsel - und
Unterarmstützen, die wir in grösseren Mengen mit uns führten,
mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Die alten Menschen waren glücklich,
statt ihrer selbstgeschnitzten Gehhilfen jetzt richtige Stützen
zu bekommen, was sich, bei einigen von ihnen sofort sichtbar, auf ihr
Gangbild auswirkte.
Es
blieben noch einige Kinder für uns zur Befundung und Behandlung
übrig, vorwiegend Kinder die an CP erkrankt waren, aber auch an
Augenerkrankungen, kombiniert mit geistigen Behinderungen.
Da
wir in die Gegenden, für die man eine Genehmigung braucht, nur
gelegentlich kommen werden, haben wir die Eltern in die Behandlung eingewiesen,
ihnen Übungen aufgezeichnet, Kopien von CP-Handling mitgegeben
und ihnen Maßnahmen zur Kontrakturprophylaxe gezeigt. Bei einem
18 jährigen, körperlich und geistig behinderten Jungen, den
wir dringend behandlungsbedürftig fanden, machten wir den Vorschlag,
ihn wenn möglich, eine Zeit lang nach Leh zur intensiven Physiotherapie
zu bringen.
Neben
der oben genannten Behandlungstätigkeit sind wir in der übrigen
Zeit mit der Anfertigung folgender Hilfsmittel beschäftigt:
- Herstellung
von Splints = vorübergehende Schienen (hergestellt aus soft und
hard cast)
- Herstellung
von Einlagen aus Moosgummi
- Anfertigung
spezieller Ecksitze für CP Kinder und Bauchliegekeile in Zusammenarbeit
mit einem ortsansässigen Schreiner
- Herstellung
von Abduktionskeilen, Stehständern, Rollstuhltischen (z.T. mit
Hilfe von Schreinern)
- Adaption
von Rollstühlen, insbesondere Sitzschalen aus Holz und Schaumstoff
- Nähen
von Lagerungskissen
- Herstellung
eines little room nach Lilli Nielsen für Kinder mit
einer Schwerst-Mehrfach-Behinderung
Insgesamt
fällt uns bei unserer Arbeit auf, dass die meisten unserer behinderten
Kinder sehr liebevoll von ihren Müttern versorgt und betreut werden.
Wir bewundern immer wieder, mit welch großer Geduld und Hingabe
sich die Mütter, aber vielfach auch die gesamte Großfamilie,
um die behinderten Kinder kümmern.
Eine
unserer Kolleginnen ist im Moment damit beschäftigt, ein Konzept
für die geplante Integrationsschule in Leh zu erstellen, deren
Gebäude bereits vor längerer Zeit fertiggestellt wurden und
für deren Möbelbau für die spezielle Inneneinrichtung
wir beratend mitgewirkt haben. Wir hoffen, dass im kommenden Jahr die
Schule ihren Betrieb aufnehmen kann. Wir werden dann für
die physiotherapeutische Begleitung zuständig sein.
Sylvia
Karcher, Catherin Gunkel, Katrin Scheurer, Physiotherapeutinnen, Leh,
Ladakh