Erfahrungsbericht Ladakh 2009 - Snoezelraum im Therapiezentrum

von Simone Kroll, Freiwillige für Ladakh-Hilfe

Die Entscheidung, die Zeit zwischen Ausbildungsende und Studium für eine Reise zu nutzen stand fest. Da das unmittelbar folgende Design-Studium sehr viel Zeit in Anspruch nehmen würde, wollte ich vorher noch etwas innere Ruhe und Kraft tanken.
Das Ziel war Ladakh. Meinen Aufenthalt wollte ich mit einer sinnvollen Tätigkeit bereichern und kontaktierte darauf Karola Kostial in Günzburg.
Zwar fehlten mir Fachwissen und Kompetenzen im Bereich der Physiotherapie, jedoch konnte ich mittels meiner grafischen und gestalterischen Ausbildung mein spezifischen Wissen und meine Kreativität sinnvoll einbringen. Das erkannte Karola und wir verabredeten uns für ein Wiedersehen im indischen Himalaya.

Bereits Wochen vor meiner Reise erstellte ich verschiedene Printprodukte wie Karten und Plakate, welche auf Ladakh-Hilfe und damit verbundene Buchlesungen aufmerksam machen sollten.

In Leh vor Ort unterstützte ich den bevorstehenden Tag der offenen Tür und die damit verbundene Eröffnungsfeier des neuen Therapiezentrums. Es wurden Einladungskarten, Plakate und Bildstecken produziert.
Diese Art der Arbeit stellte mich vor neue Herausforderungen, denn Standards für Druckverfahren, Genauigkeit, Papierauswahl usw. wurden in Indien mit anderen Augen betrachtet. Zudem sind ja Geschmäcker bekanntlich verschieden - gerade wenn unterschiedliche Kulturen aufeinander treffen.

Mein Ziel war es und ist es noch immer, die Besonderheit dieser Einrichtung auch in ihrer Gestaltung weiterzuführen. Ein Platz für Kinder sollte auch die Kinder in den Mittelpunkt aller Betrachtungen stellen. Natürlich gilt das auch für die Gestaltung.
Geplant und Gestaltet wurde eine Eröffnungsfeier, in deren Zentrum es um Kinder und deren Bedürfnisse geht. Motive, von und für Kinder gemalt, zierten zum Beispiel die Einladungskarten, welche an hochrangige und einflussreiche Gäste verschickt wurden.

Aus unser aller Sicht war der Eröffnungstag ein Tag des Erfolgs, des Lachens und natürlich der Kinder.

In meiner übrigen Zeit assistierte ich bei den therapeutischen Behandlungen und lernte im Bereich Physio- und Sprachtherapie. Mit der Zeit verstärkte sich jedoch der Wunsch mich aktiver einzubringen.
Mit Blick auf die bestehenden Räumlichkeiten und mit dem Interesse für Design und Handwerk, kam ich auf die Idee einen "Snoezelraum" im Therapiezentrum einzurichten.

Das Wort "Snoezelraum" kommt aus dem Holländischen und ist zusammengesetzt aus den Wörtern "Snoezeln" (Schnarchen) und Dösen und wird zu licht- und musiktherapeutischen Zwecken eingesetzt. Allgemein gilt, je stärker der Grad der Behinderung, desto intensiver ist die Wirkung des Raumes auf einen behinderten Menschen.
Der Einsatz solcher Snoezelräume war mit durch eine Freundin aus Wien im sozialen Bereich bekannt.

Bisher fungierte ein Abstellraumraum im Therapiezentrum lediglich als kleine Küche, in der Tee für die Kinder und deren Besucher zubereitet wurde. Ich hatte ein Auge auf diesem Raum geworfen, da er aufgrund der Lage und Größe bestens als "Snoezelraum" geeignet war.
Allerdings fand ich schlecht isolierte Fenster und nackten Betonboden vor. Jedoch hatte ich ganz besondere Unterstützung von einigen lieben Menschen, ohne deren Hilfe die Realisierung unmöglich gewesen wäre.
Freunde aus Köln, Stuttgart und meine Familie sowie Peter Hauke unterstützten dieses Projekt finanziell, so dass für die Umsetzung knapp 600 Euro zur Verfügung standen.

Vor Ort engagierten sich besonders Marika Zenglein, die parallel als Sprachtherapeuten tollen Einsatz zeigte und Mr. David, der Leiter des Therapiezentrums. Ihnen gebührt ganz besonderer Dank,

In die Umsetzung flossen kreative Gedanken, funktionale Aspekte, viel Zeit und Liebe. Thema des Raumes war "Unterwasserwelt". Ein an Wellen erinnerndes Holzpodest wurde von mir entworfen und von ortansässigen Schreinern gebaut. Darauf lagen Meerwasserblau bezogene Matratzen und bunte Kissen. So konnten Kabel gut verstaut werden und die Kinder hatten einen angenehmeren Abstand zum kalten Boden.
Für die Deckendekoration hatten Marika und ich uns etwas besonders ausgedacht. Aus Toilettenpapier, Zeitungen, Leim und Farbe wurden bunte Meerwasserbewohner hergestellt. Diese sollten fröhlich von der Decke aus auf die kleinen Patienten herabschauen. Zart colorierte Stoffe wurden in Wellenoptik an der Decke befestigt und mit kleinen Lichterketten bestückt.
Indirekt beleuchtete Tastwände sollten den Kindern besondere Sinneseindrücke ermöglichen. Die Algengrünen, blickdichten Vorhänge verstärkten auch bei Tageslicht den Eindruck der farbenfrohen Unterwasserlandschaft.
Eine neue Stereoanlage wurde in naher Zukunft als Sachspende angekündigte und passte natürlich wunderbar in unser "Snoezelraum"-Konzept.

Rückblickend betrachtet, machte dieses Projekt uns allen großen Spaß. Eine besondere Freundschaft entwickelte sich zwischen Marika und mir - nicht zu letzt dank eines gemeinsames Projektes, dass uns natürlich besonders zusammen schweißte.
Beeindruckend auch die Unterstützung aller Befürworter. Sicher war dieses Projekt für viele Ladakhis nicht ganz verständlich und der Sinn und Nutzen unklar. Doch trotzdem fanden wir Hilfe von Menschen, die uns und unseren Ideen vertrauten.

Leider schafften wir die Fertigstellung des "Snoezelraums" nicht vor meiner Abreise. Aber aus Erzählungen weiß ich, dass dieser Raum bereits viele Kinderaugen zum Leuchten gebracht hat und ein Projekt darstellt, was von vielen verschiedenen Menschen gepflegt und erweitert werden kann und muss. Ich bin gespannt, wie dieser Raum sich weiterentwickeln wird und freue mich, eines Tages ihn mit eingenen Augen im Einsatz zu sehen.

Bildergalerie Snoezel Raum





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