Meine Arbeit als Sonder-/Förderschullehrer für die Ladakh-Hilfe und REWA Society in Leh und Kargil

Philip Hoheisel , Einsatz vom 01. August - 16. Oktober 2011

Zu Beginn meiner Arbeit in Ladakh war mir nur sehr eingeschränkt bewusst, welche sinnvolle Arbeit ich als Sonder-/Förderschullehrer hier leisten kann. Daher hatte ich mir vorgenommen, meine Zeit als Pionierarbeit zu betrachten und für künftige Lehrervolunteers geeignete Aufgabenfelder aufzutun. Dies ist mir mit der Zeit auch gelungen. Vorrangig sehe ich dabei 6 Bereiche, die ich persönlich für geeignet und sinnvoll erachte:


- Mit- und Weiterarbeit an einem Gesamtkonzept für die REWA Society: Nach dem großen Crash in diesem Sommer halte ich es für extrem wichtig die REWA Society auf ein besseres Fundament zu stellen. Hierfür sollte ein neues Gesamtkonzept entwik-kelt werden, welches die guten Bereiche und Ansätze der bisherigen Arbeit übernimmt und weiterentwickelt, um ein solches Scenario zukünftig zu verhindern und die Arbeit noch professioneller zu gestalten. Hierfür sehe ich bereits gute Ansätze in den letzten 2 Monaten. Es wurden die verschiedenen anfallenden Aufgaben unter den ladakhischen Mitarbeitern verteilt (Aufgabenverteilungsplan), in alle Akten wur-de eine von mir erstellte Anwesenheitsliste für die Patienten eingefügt, es hängen Telefon- und Kontaktlisten aus, es entstand ein übersichtlicher Wochenplan mit zu betreuenden Patienten und deren Telefonnummern, ebenso entstand ein übersicht-licher Jahresplan für die Fieldtrips. Trotz der etwas verbesserten Organisation ist die Lockerheit in der Arbeit erhalten geblieben und alle ziehen gut mit. Hier sollte nun kontinuierlich weiter gearbeitet werden, für eine stabilere und bessere Zukunft.


- Ein Angebot für Sprachförderung in Schulen und auch privat: Eine Sprachförderung fand von mir in der SOS-School in Choklamsar, in Chuchot, in der Sawab School in Kargil-Baroo und der Jaffaria School in Kargil, sowie bei einigen Homevisits in Kargil und Umgebung statt. Viele Kinder sitzen Zuhause und gehen wegen ihrer Sprachpro-bleme nicht zur Schule. Bei genauerer Nachfrage an den Schulen wurde immer auf Kinder mit Sprachstörungen, wie Stottern, Stammeln, aber auch auf Schwierigkeiten mit der Aussprache hingewiesen. Neben Atemübungen und Sprechtraining habe ich mundmotorische Angebote gemacht, um die Muskulatur zu stärken und die Zungen-beweglichkeit zu verbessern. Teilweise ging es auch nur um ein Lesetraining und Eng-lischunterricht. Hier wurde von mir sicher nur ein kleiner Teil des eigentlichen Bedarfs gedeckt.


- Unterstützte Kommunikation für nicht sprechende Menschen: In Absprache mit Karola wurde von mir ein Boardmaker Computerprogramm angeschafft und in Leh deponiert, ebenso ein Laminiergerät mit Folien (regelmäßiger Nachschub ist wichtig) und ein Schneidebrett. Der Boardmaker kam in Leh und Kargil zum Einsatz. Es existie-ren 4 Kommunikationsordner (2 für REWA Leh - einer ist bei Stanzin und Thukjay - 1 für REWA Kargil und 1 für die Munsel School in Leh). Für Kargil habe ich zudem für 4 Patienten Kommunikationstafeln zum Ersteinsatz erstellt, die auf Englisch existieren und blanko ohne Text. Dankenswerter Weise hat sich Bilquees bereit erklärt, diese mit Urdu-Texten (lokale Sprache in Kargil) zu versehen. Alle Dateien liegen auch in PDF-Format vor. Eine Weiterarbeit wäre hier sehr wünschenswert, zumal ich nur wenig Zeit für eine praktische Anwendung und für Erklärungen zum Einsatz der Tafeln gefunden habe. Auch fehlen noch die Innenseiten in den Ordnern für eine situations- und themenbezogene Kommunikation. Viele Dateien liegen jedoch auf dem Compu-ter der REWA Society in Leh mit deutschen Texten vor und müssen nur übersetzt und umgewandelt werden.


- Vorträge und Fortbildungen für Lehrerkollegien und Schulklassen: Ich habe 9 Schulen in Kargil und 1 Schule in Leh besucht. Dabei ließ sich feststellen, dass der Unterricht nach wie vor fast ausschließlich frontal abläuft, Prügelstrafe und andere Demütigungen der Schüler zum Alltag gehören, die Lehrer mit Konzentrationsstörungen, Lernschwierigkeiten, Sprachauffälligkeiten, Schulschwänzern, hygienischen Problemen und Hausaufgabenverweigerern zu kämpfen haben. Hier versuchte ich neue Ideen zu vermitteln, wie man Unterricht interessanter und abwechslungsreicher gestalten kann, was für die Lehrer-Schüler-Beziehung wichtig ist, wie man Schülern mehr Mit- und Eigenverantwortung übertragen kann und welche Alternativen es zur Prügelstrafe mit dem Stock gibt. Zudem werden noch häufig gut gemeinte Einrichtungen, wie ein Klassensprecher, falsch verstanden. In Ladakh wird er meist als rechte Hand des Lehrers angesehen und darf seine Mitschüler anstelle des Lehrers diszi-plinieren. Vorträge sind sehr erwünscht, die Dankbarkeit ist unheimlich groß. Mein Vortrag liegt für Interessierte in englischer Sprache zur Orientierung vor.


- Besuch von Unterricht mit anschließender Beratung: In diesem Bereich habe ich nur wenig gearbeitet, sehe aber viel Potential. Die Disziplin in den gesehenen Klassen war teilweise verheerend. Die Lautstärke der Gespräche zwischen den Schülern ließ oft kein konzentriertes und erfolgreiches Lernen zu.


- Kooperation mit der Munsel School in Leh: Jeden Montag habe ich dort mitgearbei-tet und empfand diese Arbeit als sehr interessant und befriedigend. Ich konnte mich auf einzelne Kinder konzentrieren und so war die Arbeit auch sehr intensiv. Die Mun-sel School ist eine Schule für Kinder mit geistiger und zum Teil körperlicher Behinde-rung. Geleitet wird sie von Mara, einer Schweizer Sonderschullehrerin. Eine Zusam-menarbeit ist von ihr erwünscht (nur Langzeiteinsätze, nicht nur 1 - 2mal) und macht viel Spaß. Sie arbeitet mit einem guten Konzept und die Schule ist materiell hervorra-gend ausgestattet. Mit Mara arbeiten noch einige einheimische Lehrerinnen und gelegentlich ein ZDL aus der Schweiz. Die Zielsetzung ist wie bei der REWA Society, dass zukünftig nur Einheimische die Schule führen sollen.


Für die REWA Society bietet der schulische Bereich neue Möglichkeiten. Schulungen und Vorträge könnten auch schulübergreifend organisiert werden. Für die Vorträge könnten Ge-bühren verlangt werden, die als neue Einnahmequelle für die REWA Society hilfreich wären. Diese Arbeit würde auch das Ansehen und den Bekanntheitsgrad der REWA Society weiter steigern. Nach 3 Wochen in Kargil kannte mich auf der Straße jedes Kind und viele andere Leute. Die Vorträge haben wir zunehmend auch mit einer Werbung für die REWA Society verbunden.


Noch ein paar Sätze zur Wohnsituation der Volunteers: Nach dem großen Krach mit Dolkar und ihrer Mutter sind wir ins REWA Physio Center gezogen und haben dort bis Anfang Oktober gewohnt. Am 11. Oktober sind wir ins neue Guesthouse umgezogen, aber noch in ein Übergangszimmer. Heute am 14. Oktober werden wir nun in das erste neue Zimmer umzie-hen. Insgesamt sollen 3 Zimmer mit Bad angemietet werden. Die Zimmer liegen separat mit Zugang zu einem kleinen Hof. Eine kleine Küche ist auch dabei. Kunzang wohnt im selben Guesthouse und da sie auch die Ansprechperson für die Volunteers ist, wird das eine gute Sache.

Bericht von Philip Hoheisel




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