Ostern 2007 in Ladakh

von Helene Fleißner

In Indien sind 80 % der Bevoelkerung Hindus, 11 % Moslems, 3 % Christen und weniger als 1 % Buddhisten. In Ladakh bekennen sich mehr als 90 % der Bevoelkerung zum Buddhismus, da moechte man fast nicht glauben, dass wir trotzdem die Moeglichkeit hatten, Ostern zu feiern. Wir feierten Ostern!

Die Moravian Mission School, das ist die Schule, die auch unser kleines Therapiezentrum beherbergt, ist eine christliche Schule und ihr Leiter, Mr. Gergan, ist gleichzeitig der Pastor der Kirche in Leh.
Sie wurde 1885 in Ladakh gegruendet und laut Reisefuehrer umfasst die christliche Gemeinde rund 18 Familien.

Die Leute sitzen auf dem Fußboden und hören zu

Mr. Gergan lud uns zu den Osterfeierlichkeiten ein. Am Gruendonnerstag hatten wir noch zu arbeiten und so kamen wir ein wenig zu spaet. Vorerst hatten wir Sorge, dass das ein Problem sein koennte, aber wir waren nicht die letzten. Die Kirche ist klein und draussen muss man die Schuhe ausziehen. Ich dachte schon, ich gehe wieder in einen Tempel, aber die Kirche ist im Ladakhi-Stil. Es gibt zwar ein paar Baenke, doch der Grossteil der Kirchengemeinde sitzt am Boden.

Kinder singen während dem Gottesdienst

In der Kirche hatte ich nicht Menschen im Ladakhi-Gewand erwartet, die habe ich immer mit dem Buddhismus in Verbindung gebracht. Doch es sassen genau die Leute in der Kirche, die man auf der Strasse sieht. Die traditionelle Kleidung der Menschen hier ist ladakhisch, nicht buddhistisch!

Die Messfeier war fast wie bei uns, auch die Sprache des Gebetsbuches, das uns der Pastor extra in die Hand drueckte, konnten wir lesen. Ein Teil der Gebetsbuecher ist naemlich in unserer Schrift, aber in ladakhischer Sprache geschrieben. Das Wichtigste hat Mr. Gergan fuer uns beide ins Englische uebersetzt.

Nach dem Gottesdienst wird erst mal vor der Kirche zusammen gegessen

Nach der Messe wurden wir zu den weiteren Feierlichkeiten an diesem Wochenende eingeladen. Der Karfreitag war fuer die Moravian Mission School wie fuer die meisten anderen oeffentlichen Schulen ein Feiertag. Wir hatten Schreibarbeiten zu erledigten und machten ausserdem drei Hausbesuche. In die Kirche kamen wir daher nicht.Am Ostersonntag fruehstueckten wir gemeinsam mit unseren neuen Nachbarn, die hier bald ein Cafe eroeffnen werden, auf der Terasse. Eike hatte am Vortag eingekauft und so konnten wir auch etwas anbieten. Unseren Ostertisch schmueckten Palmkätzchen, die wir bei einem Spaziergang gefunden hatten und bunte Ostereier! Rotbraune Eier entstanden durch Kochen in Zwiebelwasser, gruene haetten mit Hilfe von Spinat entstehen sollen. Die wurden nur sehr hellgruen, also mussten die Malstifte fuer das weitere Muster herhalten. Wir hatten eine Freude an diesen Kleinigkeiten, die uns an daheim erinnerten.

Mr. Gergan bei seiner Predigt

In die Kirche gingen wir nach dem Fruehstueck. Wir waren extra frueh genug da, um noch einen Sitzplatz zu bekommen. Die Kirche war von den Ladakhis huebsch hergerichtet worden: Weihnachtssterngestecke und Plastikschleifen schmueckten die Saeulen und Waende. Langsam fuellte sich der Raum und der Wortgottesdienst begann. Er dauerte zwei Stunden und Menschen kamen und gingen. Es wurde viel gesungen und musiziert und die Kinder der Sonntagsschule leisteten ebenfalls ihren Beitrag. Von unserem Sitzplatz wurden wir verstossen, weil irgendwann ein gebrechlicher Herr kam. Ich benoetigte auch einen Sitzplatz, weil ich mich von meiner Grippe noch nicht erholt hatte. In der Reihe vor uns wurde aber noch Platz frei fuer uns.

Osterfühstück mit unseren Nachbarn

Nach der Messe gab es "Eastercake" und Lunch. Wir haben alles sehr genossen. Wir haben ja schon lange kein Fleisch und kein Joghurt mehr gegessen. Nur mussten wir mit den Haenden essen, na ja, wirklich geschadet hat es uns nicht. Nach dem Essen verabschiedeten wir uns langsam. Es war ein frohes Osterfest und es war schoen, dieser anderen Kultur bei einem uns so bekannten Fest beiwohnen zu koennen.

Helene Fleißner, April 2007

Anmerkung der Redaktion: Die Bilder fehlen leider noch, da sie mir in einem Format zugeschickt wurden, das ich nicht transformieren kann. Erst wenn das Team in ca. 1 Woche aus dem Nubra-Valley zurück kommt, werden wir das Problem regeln können.




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