In Indien
sind 80 % der Bevoelkerung Hindus, 11 % Moslems, 3 % Christen und
weniger als 1 % Buddhisten. In Ladakh bekennen sich mehr als 90 %
der Bevoelkerung zum Buddhismus, da moechte man fast nicht glauben,
dass wir trotzdem die Moeglichkeit hatten, Ostern zu feiern. Wir
feierten Ostern!
Die Moravian
Mission School, das ist die Schule, die auch unser kleines Therapiezentrum
beherbergt, ist eine christliche Schule und ihr Leiter, Mr. Gergan,
ist gleichzeitig der Pastor der Kirche in Leh.
Sie wurde 1885 in Ladakh gegruendet und laut Reisefuehrer umfasst
die christliche Gemeinde rund 18 Familien.

Die
Leute sitzen auf dem Fußboden und hören zu
Mr.
Gergan lud uns zu den Osterfeierlichkeiten ein. Am Gruendonnerstag
hatten wir noch zu arbeiten und so kamen wir ein wenig zu spaet. Vorerst
hatten wir Sorge, dass das ein Problem sein koennte, aber wir waren
nicht die letzten. Die Kirche ist klein und draussen muss man die
Schuhe ausziehen. Ich dachte schon, ich gehe wieder in einen Tempel,
aber die Kirche ist im Ladakhi-Stil. Es gibt zwar ein paar Baenke,
doch der Grossteil der Kirchengemeinde sitzt am Boden.

Kinder
singen während dem Gottesdienst
In der
Kirche hatte ich nicht Menschen im Ladakhi-Gewand erwartet,
die habe ich immer mit dem Buddhismus in Verbindung gebracht. Doch
es sassen genau die Leute in der Kirche, die man auf der Strasse sieht.
Die traditionelle Kleidung der Menschen hier ist ladakhisch, nicht
buddhistisch!
Die Messfeier
war fast wie bei uns, auch die Sprache des Gebetsbuches, das uns der
Pastor extra in die Hand drueckte, konnten wir lesen. Ein Teil der
Gebetsbuecher ist naemlich in unserer Schrift, aber in ladakhischer
Sprache geschrieben. Das Wichtigste hat Mr. Gergan fuer uns beide
ins Englische uebersetzt.

Nach
dem Gottesdienst wird erst mal vor der Kirche zusammen gegessen
Nach
der Messe wurden wir zu den weiteren Feierlichkeiten an diesem Wochenende
eingeladen. Der Karfreitag war fuer die Moravian Mission School wie
fuer die meisten anderen oeffentlichen Schulen ein Feiertag. Wir hatten
Schreibarbeiten zu erledigten und machten ausserdem drei Hausbesuche.
In die Kirche kamen wir daher nicht.Am Ostersonntag fruehstueckten
wir gemeinsam mit unseren neuen Nachbarn, die hier bald ein Cafe eroeffnen
werden, auf der Terasse. Eike hatte am Vortag eingekauft und so konnten
wir auch etwas anbieten. Unseren Ostertisch schmueckten Palmkätzchen,
die wir bei einem Spaziergang gefunden hatten und bunte Ostereier!
Rotbraune Eier entstanden durch Kochen in Zwiebelwasser, gruene haetten
mit Hilfe von Spinat entstehen sollen. Die wurden nur sehr hellgruen,
also mussten die Malstifte fuer das weitere Muster herhalten. Wir
hatten eine Freude an diesen Kleinigkeiten, die uns an daheim erinnerten.

Mr.
Gergan bei seiner Predigt
In die
Kirche gingen wir nach dem Fruehstueck. Wir waren extra frueh genug
da, um noch einen Sitzplatz zu bekommen. Die Kirche war von den Ladakhis
huebsch hergerichtet worden: Weihnachtssterngestecke und Plastikschleifen
schmueckten die Saeulen und Waende. Langsam fuellte sich der Raum
und der Wortgottesdienst begann. Er dauerte zwei Stunden und Menschen
kamen und gingen. Es wurde viel gesungen und musiziert und die Kinder
der Sonntagsschule leisteten ebenfalls ihren Beitrag. Von unserem
Sitzplatz wurden wir verstossen, weil irgendwann ein gebrechlicher
Herr kam. Ich benoetigte auch einen Sitzplatz, weil ich mich von meiner
Grippe noch nicht erholt hatte. In der Reihe vor uns wurde aber noch
Platz frei fuer uns.

Osterfühstück
mit unseren Nachbarn
Nach
der Messe gab es "Eastercake" und Lunch. Wir haben alles
sehr genossen. Wir haben ja schon lange kein Fleisch und kein Joghurt
mehr gegessen. Nur mussten wir mit den Haenden essen, na ja, wirklich
geschadet hat es uns nicht. Nach dem Essen verabschiedeten wir uns
langsam. Es war ein frohes Osterfest und es war schoen, dieser
anderen Kultur bei einem uns so bekannten Fest beiwohnen zu koennen.

Helene
Fleißner, April 2007
Anmerkung
der Redaktion: Die Bilder fehlen leider noch, da sie mir in einem
Format zugeschickt wurden, das ich nicht transformieren kann. Erst
wenn das Team in ca. 1 Woche aus dem Nubra-Valley zurück kommt,
werden wir das Problem regeln können.