2.
Einsatz
Liebe
Karola,
jetzt
sind wir seit 2 Wochen dabei und ich kann sagen, ich bin sehr angetan...
Die erste Woche war noch sehr turbulent, voller Informationen und Eindrücken,
aber langsam lichtet sich alles.

Team
und Freunde von links: Matthias, Lama Sonam,
Thugjay, Nicole, Tundup,
Chuskit, Dolker, Miriam, vorne sitzend Gabi
Eine wirklich supergute Neuerung sind die einheimischen
Mitarbeiter, wie
du schriebst: ein "Quantensprung".
Dolker hat die Infrastruktur fest
und zuverlässig im Griff, was bei dem häufigen Therapeutenwechsel
wirklich wichtig ist. Chuskit ist
noch sehr zurückhaltend, was neben Dolker auch kein Wunder ist,
aber sehr gut mit den Patienten. Tundup
als Fahrer und unser brandneuer Jeeps sind sehr angenehmer Luxus. Manchmal
fühl ich mich schon wie Paula von Daktari, wenn wir da so in staubiger
Landschaft vor ein Haus im Jeep vorfahren und mit unserer Spielzeug-
und Hilfsmitteltüte beherzt herausspringen.
Großartig ist, wenn wir dank des Autos vielleicht im Winter mehr
Kinder ins MAC bekommen und die Arbeit da neu organisieren können.

Gabi
und Miriam auf der Burg
Besonders
schön war gleich, dass ich ganz viele der Kinder/Patienten noch
kenne und die mich zum Teil auch.
Grosse Fortschritte sind zu verzeichnen bei Rigzin und Nimalamo!
Rigzin-Stansin hat den Stehständer erobert und will nichts anderes
zurzeit.


Rigzin
fühlt sich im Stehständer sehr
wohl!!!
Die
ehemals so verwahrloste Sarina in Chuchot ist jetzt viel sauberer, sie
wohnt im Wohnzimmer und nicht mehr im dunklen Loch nebenan, ihr damals
abgekauter Finger ist verheilt und sie ist bester Laune.


Sarina
sitzend und stehend
Die Kinder aus Chuchot-Hostel haben wir gestern besucht und stundenlang
an Padmas Stehständer rumgeschraubt. Leider gibt's nicht so viele
Einstellmöglichkeiten, aber der Phantasie und Flexibilität
sind ja keine Grenzen gesetzt.


Padma
aus dem Chuchot Hostel liebt den Stehständer
- An Padmas Stehständer wird
ewig geschraubt
Auch Mr. Tsewang, den wir vor 2 Jahren als er nach seinem schweren Insult
gerade aus Delhi nachhause kam, behandelt haben, hat mich wieder erkannt.
Das ist einfach eine ganz große Freude, die Patienten, mit denen
es hier schon besonders intensiv war und ist, wieder zutreffen.
Die
Hilfsmittel finde ich weiterhin das größte Manko.
Für einige Kinder wäre ein Bauch-Steh-und-Liegebrett sinnvoll,
das müssen wir noch mal erfinden und bauen. Einige sind so floppy,
dass wir nicht genug Hände haben und sie bräuchten eine Zwischenposition,
müssen aber dringend auf die Füße.
Letzte Woche hab ich schon mit Nicole und Tundup hier Schienen gebastelt,
aber ich finde ganz ehrlich betrachtet kommen wir über das basteln
nicht weit hinaus.
Bei Handschienen ist das ok, aber für die schwerwiegenden Fußprobleme,
mit denen wir zu tun haben ist das oft zu wenig. Muss man sich immer
das Mantra vormurmeln: better than nothing. Klingt aber nicht immer
soo überzeugend.
Heute haben wir mit Marc (USA-Dzi-Foundation) eine Schienenversorgung
für Sonam in der Mahabodi School gemacht. Das war ganz gut. Er
ist jetzt immer noch mit Tundup unterwegs und besorgt Material für
einen seitlichen Aufbau unter der Schiene.
Ganz großartig finde ich die Idee, wenn Dzi-Foundation mit ihren
Augen- und Zahnärzten auch 2mal jährlich Orthopädiemechaniker
schicken würde.
Das würde unsere Arbeit sehr erleichtern und es wäre vielleicht
sogar wieder ein Quantensprung.
Das ist einfach manchmal schwer auszupendeln, die eigenen Wünsche
und Ansprüche und vorhandenen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten...
und auch schwer auszuhalten.


Meliiah
und ihre Schienen - Die Murmelbahn
im MAC, selbst gebastelt
Vor
meinem inneren Auge habe ich ja dauernd Kinder meiner Schule mit ähnlichen
Problemen. Dann denke ich, Dechen im E-Rolli könnte ihre ganze
Klasse unterm Pantoffel haben oder im Hoppler oder NF-Walker würden
hier einige Kinder gerne Rennen laufen.
Aber in Puncto Lebensfreude sind sie alle klasse.... nur die Integration
in irgendeinen Alltag fehlt eben meistens.
Und
die Reise nach Nubra nächste Woche wird auch interessant. Obwohl
Königin Spalzes (die ich ja als Patientenmutter noch in guter Erinnerung
habe) sogar extra zu uns kam, um zu informieren, sieht es noch recht
unklar aus, was genau passieren soll.
Wir werden jedenfalls unsere ohnehin fälligen Hausbesuche unserer
Kinder dort machen und uns überraschen lassen.
Ansonsten
ist's jetzt hier deutlich Herbst, zurzeit goldener Oktober. Wunderbares
Licht, schöne Farben und in der Sonne sehr angenehm. Nachts deutlich
kühler, aber alles noch gut auszuhalten. Habe mir auch schon ein
neues Federjackett gekauft und sehe aus wie ein Michelin-Männchen,
aber sehr local....
Ich freu mich sehr, wieder hier zu sein und das Leben mal in anderer
Jahreszeit und aus anderer Perspektive mitzumachen..
Anhängend
noch ein paar Bilder, damit du auch eine kleine Freude hast,
liebe Grüsse von Miriam Steland aus Leh