Brief von Miriam, 14.10.2007

2. Einsatz

Liebe Karola,

jetzt sind wir seit 2 Wochen dabei und ich kann sagen, ich bin sehr angetan...
Die erste Woche war noch sehr turbulent, voller Informationen und Eindrücken, aber langsam lichtet sich alles.

Team und Freunde von links: Matthias, Lama Sonam, Thugjay, Nicole, Tundup, Chuskit, Dolker, Miriam, vorne sitzend Gabi


Eine wirklich supergute Neuerung sind die einheimischen Mitarbeiter,
wie du schriebst: ein "Quantensprung".


Dolker hat die Infrastruktur fest und zuverlässig im Griff, was bei dem häufigen Therapeutenwechsel wirklich wichtig ist. Chuskit ist noch sehr zurückhaltend, was neben Dolker auch kein Wunder ist, aber sehr gut mit den Patienten. Tundup als Fahrer und unser brandneuer Jeeps sind sehr angenehmer Luxus. Manchmal fühl ich mich schon wie Paula von Daktari, wenn wir da so in staubiger Landschaft vor ein Haus im Jeep vorfahren und mit unserer Spielzeug- und Hilfsmitteltüte beherzt herausspringen.
Großartig ist, wenn wir dank des Autos vielleicht im Winter mehr Kinder ins MAC bekommen und die Arbeit da neu organisieren können.

Gabi und Miriam auf der Burg

Besonders schön war gleich, dass ich ganz viele der Kinder/Patienten noch kenne und die mich zum Teil auch.
Grosse Fortschritte sind zu verzeichnen bei Rigzin und Nimalamo!
Rigzin-Stansin hat den Stehständer erobert und will nichts anderes zurzeit.


Rigzin fühlt sich im Stehständer sehr wohl!!!

Die ehemals so verwahrloste Sarina in Chuchot ist jetzt viel sauberer, sie wohnt im Wohnzimmer und nicht mehr im dunklen Loch nebenan, ihr damals abgekauter Finger ist verheilt und sie ist bester Laune.

Sarina sitzend und stehend


Die Kinder aus Chuchot-Hostel haben wir gestern besucht und stundenlang an Padmas Stehständer rumgeschraubt. Leider gibt's nicht so viele Einstellmöglichkeiten, aber der Phantasie und Flexibilität sind ja keine Grenzen gesetzt.

Padma aus dem Chuchot Hostel liebt den Stehständer - An Padmas Stehständer wird ewig geschraubt


Auch Mr. Tsewang, den wir vor 2 Jahren als er nach seinem schweren Insult gerade aus Delhi nachhause kam, behandelt haben, hat mich wieder erkannt.
Das ist einfach eine ganz große Freude, die Patienten, mit denen es hier schon besonders intensiv war und ist, wieder zutreffen.

Die Hilfsmittel finde ich weiterhin das größte Manko.
Für einige Kinder wäre ein Bauch-Steh-und-Liegebrett sinnvoll, das müssen wir noch mal erfinden und bauen. Einige sind so floppy, dass wir nicht genug Hände haben und sie bräuchten eine Zwischenposition, müssen aber dringend auf die Füße.
Letzte Woche hab ich schon mit Nicole und Tundup hier Schienen gebastelt, aber ich finde ganz ehrlich betrachtet kommen wir über das basteln nicht weit hinaus.
Bei Handschienen ist das ok, aber für die schwerwiegenden Fußprobleme, mit denen wir zu tun haben ist das oft zu wenig. Muss man sich immer das Mantra vormurmeln: better than nothing. Klingt aber nicht immer soo überzeugend.
Heute haben wir mit Marc (USA-Dzi-Foundation) eine Schienenversorgung für Sonam in der Mahabodi School gemacht. Das war ganz gut. Er ist jetzt immer noch mit Tundup unterwegs und besorgt Material für einen seitlichen Aufbau unter der Schiene.
Ganz großartig finde ich die Idee, wenn Dzi-Foundation mit ihren Augen- und Zahnärzten auch 2mal jährlich Orthopädiemechaniker schicken würde.
Das würde unsere Arbeit sehr erleichtern und es wäre vielleicht sogar wieder ein Quantensprung.
Das ist einfach manchmal schwer auszupendeln, die eigenen Wünsche und Ansprüche und vorhandenen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten... und auch schwer auszuhalten.


Meliiah und ihre Schienen - Die Murmelbahn im MAC, selbst gebastelt

Vor meinem inneren Auge habe ich ja dauernd Kinder meiner Schule mit ähnlichen Problemen. Dann denke ich, Dechen im E-Rolli könnte ihre ganze Klasse unterm Pantoffel haben oder im Hoppler oder NF-Walker würden hier einige Kinder gerne Rennen laufen.
Aber in Puncto Lebensfreude sind sie alle klasse.... nur die Integration in irgendeinen Alltag fehlt eben meistens.

Und die Reise nach Nubra nächste Woche wird auch interessant. Obwohl Königin Spalzes (die ich ja als Patientenmutter noch in guter Erinnerung habe) sogar extra zu uns kam, um zu informieren, sieht es noch recht unklar aus, was genau passieren soll.
Wir werden jedenfalls unsere ohnehin fälligen Hausbesuche unserer Kinder dort machen und uns überraschen lassen.

Ansonsten ist's jetzt hier deutlich Herbst, zurzeit goldener Oktober. Wunderbares Licht, schöne Farben und in der Sonne sehr angenehm. Nachts deutlich kühler, aber alles noch gut auszuhalten. Habe mir auch schon ein neues Federjackett gekauft und sehe aus wie ein Michelin-Männchen, aber sehr local....
Ich freu mich sehr, wieder hier zu sein und das Leben mal in anderer Jahreszeit und aus anderer Perspektive mitzumachen..

Anhängend noch ein paar Bilder, damit du auch eine kleine Freude hast,


liebe Grüsse von Miriam Steland
aus Leh




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