Mein
Winter in Ladakh

Lee im
Schnee
Es war ein langer Winter und es war ein kalter Winter (Berichten
zufolge der kälteste und schneereichste seit über 30 Jahren),
aber es war auch ein besonderer Winter. Ein Winter mitten im Himalaya
in einem anderen Leben, in einer anderen Welt. Ein Winter der mich
viel gelehrt hat und mir viele wunderbare Erfahrungen und Begegnungen
geschenkt hat. Es ist ein gutes Gefühl zu spüren wie die
Kälte einen an die eigenen Grenzen und vielleicht sogar noch
darüber hinaus bringen kann. Aber was nicht tötet härtet
ja bekanntlich ab
..und man wird sich wieder bewusst über
die alltäglichen Dinge, die bei uns im Westen so selbstverständlich
sind (Wasser, Strom, Essen
.) Wasser kommt hier im Winter nicht
aus der Leitung, man muss alles selber von der Quelle holen und
bei -30 Grad gefriert einfach alles ein vom Wasser über die
Zahnpasta, übers Gemüse (es gibt eigentlich nur Karotten,
Zwiebeln, Kartoffeln und Kohl)bis hin zum Rotz der einem aus der
Nase tropft. Nachdem man sich morgens aus dem wärmenden Schlafsack
gequält hat, muss man sich erstmal durch eine Eisschicht im
Wassereimer kämpfen, um Wasser zum Waschen zu haben. Da ist
es ein gutes Gefühl, wenn wenigstens am Abend am knisternden
Feuer im Ofen die Füße endlich wieder auftauen. Das Verlangen
nach Wärme ist doch immer stärker als das schlechte Gewissen,
das bisschen Holz zu verheizen, das es in Ladakh gibt. Aber jeden
Abend mit Gas heizen und dann mit einer Gasvergiftung ins Bett zu
gehen ist auch keine Lösung.
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Jule
beim Eishockey-Camp


Jule
und Padma
- Jule und Fatima
Ja,
der Winter hier ist hart. Die Menschen wandern aus in wärmere
Gebiete Indiens oder ziehen sich zurück in die Wärme ihrer
Küchen, trinken Unmengen des wärmenden Buttertees, beten
oder feiern Feste mit viel Essen. Es geht sehr traditionell zu im
Winter und ich bin sehr dankbar, dies miterleben zu können, das
wirkliche Ladakhi Leben. Die Gastfreundschaft dieser Menschen hier,
ihre Offenheit und Herzenswärme egal wie arm sie sind, fasziniert
und berührt mich immer wieder.

Jule
und small Pami
Jeder
Hausbesuch bei den Kindern ist von einem Geben und Nehmen erfüllt.
Ich merke, wie ich mit meiner Arbeit, mit meinem Wesen den Kindern
viel geben kann und gehe jedoch nie, ohne auch etwas zurückzubekommen,
Dankbarkeit, Liebe, offene Herzen und Bestätigung für mein
Handeln. Und alles geschieht mit sehr viel Ruhe, es ist immer noch
Zeit für eine gemeinsame Tasse Tee und Kekse. Ich habe manchmal
das Gefühl, hier geht einfach alles etwas langsamer, und man
hält selber inne und lebt viel mehr und viel bewusster. Durch
die Kinder sammle ich auch physiotherapeutisch viele neue und gute
Erfahrungen, wenn auch ganz anderer Art als in Deutschland. Die Arbeit
ist wundervoll und ich weiß, dass ich den richtigen Beruf gewählt
habe.

Beim
Schneeschippen am Haus
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Sonntagsspaziergang
im Schnee
Jetzt
werden auch hier die Tage wieder länger, die Sonne wird von Tag
zu Tag wärmer, der Schnee schmilzt und alles taut so langsam
auf. Die Strassen füllen sich mit Kinderlachen und spielen und
Ladakh erwacht langsam aus dem Winterschlaf.
Auch in meiner Arbeit wird sich einiges ändern, Johannas Zeit
hier ist zu Ende und es kommen neue Kollegen. Es kommen einige neue
Patienten dazu, zudem Schulbesuche und mehr Fieldtrips in abgelegenen
Gebiete Ladakhs.
Der Frühling steht vor der Tür und ich verspüre neuen
Tatendrang, denn der Winter hat mir, mit diesen vielen Eindrücken,
Erfahrungen und Begegnungen sehr viel Kraft und Energie geschenkt.
In diesem Sinne sende ich euch Allen ganz herzliche Frühlingsgrüße
Jule
Jule
am Pangong See