Jules Winter 2007/08

Mein Winter in Ladakh

Lee im Schnee


Es war ein langer Winter und es war ein kalter Winter (Berichten zufolge der kälteste und schneereichste seit über 30 Jahren), aber es war auch ein besonderer Winter. Ein Winter mitten im Himalaya in einem anderen Leben, in einer anderen Welt. Ein Winter der mich viel gelehrt hat und mir viele wunderbare Erfahrungen und Begegnungen geschenkt hat. Es ist ein gutes Gefühl zu spüren wie die Kälte einen an die eigenen Grenzen und vielleicht sogar noch darüber hinaus bringen kann. Aber was nicht tötet härtet ja bekanntlich ab…..und man wird sich wieder bewusst über die alltäglichen Dinge, die bei uns im Westen so selbstverständlich sind (Wasser, Strom, Essen….) Wasser kommt hier im Winter nicht aus der Leitung, man muss alles selber von der Quelle holen und bei -30 Grad gefriert einfach alles ein vom Wasser über die Zahnpasta, übers Gemüse (es gibt eigentlich nur Karotten, Zwiebeln, Kartoffeln und Kohl)bis hin zum Rotz der einem aus der Nase tropft. Nachdem man sich morgens aus dem wärmenden Schlafsack gequält hat, muss man sich erstmal durch eine Eisschicht im Wassereimer kämpfen, um Wasser zum Waschen zu haben. Da ist es ein gutes Gefühl, wenn wenigstens am Abend am knisternden Feuer im Ofen die Füße endlich wieder auftauen. Das Verlangen nach Wärme ist doch immer stärker als das schlechte Gewissen, das bisschen Holz zu verheizen, das es in Ladakh gibt. Aber jeden Abend mit Gas heizen und dann mit einer Gasvergiftung ins Bett zu gehen ist auch keine Lösung.

Jule beim Eishockey-Camp

Jule und Padma - Jule und Fatima

Ja, der Winter hier ist hart. Die Menschen wandern aus in wärmere Gebiete Indiens oder ziehen sich zurück in die Wärme ihrer Küchen, trinken Unmengen des wärmenden Buttertees, beten oder feiern Feste mit viel Essen. Es geht sehr traditionell zu im Winter und ich bin sehr dankbar, dies miterleben zu können, das wirkliche Ladakhi Leben. Die Gastfreundschaft dieser Menschen hier, ihre Offenheit und Herzenswärme egal wie arm sie sind, fasziniert und berührt mich immer wieder.

Jule und small Pami

Jeder Hausbesuch bei den Kindern ist von einem Geben und Nehmen erfüllt. Ich merke, wie ich mit meiner Arbeit, mit meinem Wesen den Kindern viel geben kann und gehe jedoch nie, ohne auch etwas zurückzubekommen, Dankbarkeit, Liebe, offene Herzen und Bestätigung für mein Handeln. Und alles geschieht mit sehr viel Ruhe, es ist immer noch Zeit für eine gemeinsame Tasse Tee und Kekse. Ich habe manchmal das Gefühl, hier geht einfach alles etwas langsamer, und man hält selber inne und lebt viel mehr und viel bewusster. Durch die Kinder sammle ich auch physiotherapeutisch viele neue und gute Erfahrungen, wenn auch ganz anderer Art als in Deutschland. Die Arbeit ist wundervoll und ich weiß, dass ich den richtigen Beruf gewählt habe.

Beim Schneeschippen am Haus

Sonntagsspaziergang im Schnee

Jetzt werden auch hier die Tage wieder länger, die Sonne wird von Tag zu Tag wärmer, der Schnee schmilzt und alles taut so langsam auf. Die Strassen füllen sich mit Kinderlachen und spielen und Ladakh erwacht langsam aus dem Winterschlaf.
Auch in meiner Arbeit wird sich einiges ändern, Johannas Zeit hier ist zu Ende und es kommen neue Kollegen. Es kommen einige neue Patienten dazu, zudem Schulbesuche und mehr Fieldtrips in abgelegenen Gebiete Ladakhs.
Der Frühling steht vor der Tür und ich verspüre neuen Tatendrang, denn der Winter hat mir, mit diesen vielen Eindrücken, Erfahrungen und Begegnungen sehr viel Kraft und Energie geschenkt.
In diesem Sinne sende ich euch Allen ganz herzliche Frühlingsgrüße
Jule


Jule am Pangong See




designed by aha-graphics