Freiwillige
helfen Flutopfer
Bericht
von Lisa Reuer vom 12.10.2010
Da
es für mich zeitlich und auch sprachtechnisch immer schwieriger
wird, in den entlegenen Dörfern nach Flutopfern zu fahnden und
zu recherchieren, was alles gebraucht wird, begrüße ich
die Zusammenarbeit mit Mr. David sehr. Als einheimischer Ladakhi leitet
er ein Hotel in Leh und da seit geraumer Zeit kaum mehr Gäste
zu verzeichnen sind, kümmert er sich um bedürftige Flutopfer.
ER ist der Präsident der REWA Society, genießt großes
Ansehen in der Stadt und kennt Gott und die Welt. Genau der richtige
Mann für meine Spenden.
Er
hat das Nomadendorf Sumdo besucht, das sämtliche Felder durch
die Flut verloren hat. Die Bewohner züchten die berühmten
Pashmina Ziegen, von denen nur die allerfeinste Wolle für die
Schals verwendet wird.

Die Menschen haben nichts mehr zu Essen für sich und ihre Tiere.
Deshalb hat David einen Truck organisiert und folgende wichtigen Lebensmittel
von den Geldern, die mir meine Freunde und Bekannten überwiesen
haben eingekauft. Insgesamt gibt es dort 14 Familien und etliche Tiere.
100kg
Gerste pro Familie
20 kg Reis pro Familie
12 kg Linsen pro Familie
50 kg Mehl pro Familie
100 kg Soja Nuggets fürs Dorf
120 Decken
gespendete Winterkleidung
1 Kiste Seifen
65 Zahnbürsten
40 Zahnpasta
Am
Samstag fahren wir also mit Vollbepacktem Truck los Richtung Sumdo.
Und da der wunderschöne Tso Moriri See nicht sehr weit von Sumdo
entfernt ist, mieten wir noch einen weiteren Jeep (natürlich
vom Privatgeld) und machen die Reise zu einem "Familienausflug"
Die
Strasse führt wieder mal durch eine wunderschöne Berglandschaft,
an heißen Schwefelquellen vorbei,, über Schotterpisten,
durch Gebirgsbäche und einsame Täler. Überall sind
noch Spuren der Flut zu sehen. An den Berghängen grasen Yaks
und Wildpferde.
Für diese Gegend brauchen wir als Ausländer ein permit,
das wir samt Pass zweimal bei einer Militärstation vorzeigen
müssen, da wir in die Nähe der chinesischen Grenze fahren.
Das merken wir auch an der vermehrten Militärpräsenz hier.
Dachte ich, dass in Leh viele Soldaten rumspringen, ist es hier um
ein vielfaches mehr.
Nach 7 Stunden Geschaukel habe ich das Gefühl, dass die vielen
Milchtees im Magen nach oben drängen. Konnte sie aber noch im
Zaum halten. :-)

Als
wir in Sumdo ankommen, sehen wir die zerstörten Felder und das
Getreide lässt sich nur noch unter dem inzwischen zu Beton gewordenen
Schlamm erahnen. Kinder in zerrissener Kleidung kommen uns entgegen
gerannt. Frauen und Männer helfen die Säcke vom Truck abladen
und auf einem freien Platz im Dorf zu deponieren. Jeder und Jede,
der\die gerade verfügbar ist, packt eifrig mit zu und singt dabei
ein fröhliches Lied (hört sich zumindest für mich so
an) Geteilt wird später. Neid, oder das Gefühl, dass eine
Familie zu kurz kommen könnte, spüre ich hier bei diesem
Nomadenvolk nicht.

Hier in Ladakh wird kein Unterschied zwischen der Arbeitskraft von
Mann und Frau gemacht. Frauen arbeiten genauso schwer wie Männer,
Männer erziehen genauso die Kinder. Ich wundere mich sehr, wie
schwer selbst die schmächtigsten und alten Frauen auf ihrem Rücken
tragen können. Und trotzdem sind Rückenprobleme hier selten.

Der Dorfälteste lädt uns zum Lunch in sein einfaches Heim
ein. Es gibt Reis und Dal (Linsen) und wir merken, dass sie alles
tun, um uns entsprechend dankbar zu behandeln. Die ganze Dorfbevölkerung
ist sehr aufgeregt und freut sich über die Vorräte, die
sie über den Winter bringen wird.
Ich bin sehr froh, dass wir dieses Dorf gewählt haben für
unsere Hilfslieferung.

Lisa
Reuer, 12.10.2010