Um nach Leh zu
gelangen, gibt es mehrere Möglichkeiten: mit dem Flugzeug von Delhi
oder Bus und Taxi. Ich entschied mich, mit meinem Kumpel Simon für
die günstigere Variante, nämlich mit dem Zug in 8 Stunden
von Dehli nach Shimla, eine alte kolonial Stadt mit englischem Flair
und wunderschönen Wäldern, die sich um die Hänge des
Himalajas säumen.
Von
da ging es über kurvigen, steinigen Bergstrassen des Parvati-Tals
nach Manali.
Da
wir beide gesundheitlich stark angeschlagen waren, übernachteten
wir 2 Tage in dem wunderschönen Vashisht, ein kleines Dorf welches
ein paar Riksha- Minuten von Manali entfernt liegt.
Wir wohnten bei einer Familie, welche in ihrem Haus ein Gästezimmer
hatte.
Zuerst waren wir einwenig skeptisch , weil es günstig war und die
Leute extrem freundlich, was in Indien oft einen Haken hat ( in Delhi
konnte man nachts nur mit Licht schlafen, denn bei Dunkelheit kamen
aus jeder Ecke Kakerlaken)
Diesmal hatte es aber keinen Haken, die Familie war sehr herzlich zu
uns, zeigte uns die Familienalben, auch unterhielten wir uns über
Religion und spielten mit den Kindern Schach.

Matthias
und Simon bei der Gastfamilie in Manali
Nach
2 Tagen Ruhe fühlten wir uns für die weitere Reise bereit.
Leh kann man einerseits mit einer 2 tägigen Busfahrt + Übernachtung
im Zelt oder einer 20 stündigen Taxifahrt erreichen.
Da wir keine Schlafsäcke hatten und uns nicht weiter erkälten
wollten, entschieden wir uns dummerweise für die Taxifahrt.

Matthias
am Aufstieg zum Rothang Pass
2
Uhr nachts ging die holprige Fahrt los. Das Taxi war komplett voll,
uns hatte man die vorderen Sitze, angeblich die besten, reserviert.
Nach 5 Minuten stellte sich aber schon heraus, dass es eher die Schlechteren
sind, es gab kaum Platz und der Schalthebel nahm einfach zuviel Platz
ein, was die Folge hatte, dass ich die ganze Zeit die Beine einziehen
musste und Simon an die Wand gedrückt hockte- na ja, nur 20 Stunden.
Schlafen konnten wir in auf unseren Platzen schlecht, weil wir immer
darauf achten mussten genug Platz zum Schalten zu lassen. Wenigstens
war es interessant, dem Pan kauenden (Betelnuss, welche in Indien permanent
gekaut wird und stimulierend wirkt) Fahrer zuzuschauen, wie er die engen,
nebligen Strassen meistert und sich mit den entgegenkommenden Trucks
arrangiert.
Als
es Tags wurde, konnten wir die himmlische Landschaft genießen,
welche sich nach dem Rohtang la Pass (der als Wetterscheide dient) schlagartig
von einem saftigen Grün in ein karges, felsiges Grau verwandelt.
In
einem eiligen, von Pan getriebenen Tempo, rauschten wir die Berge hinauf,
was zufolge hatte, dass unser angeschlagenes Immunsystem etwas auf die
Probe gestellt wurde.
Nach
einiger Zeit trat der Magen meines Kollegen dann die Kapitulation an.
Problematisch war, dass bei dieser Fahrt der Magen keine Chance zu Erholung
hat und es einem dadurch extrem schwer fällt, den eigenen Flüssigkeitshaushalt
aufrecht zu halten.
Nach
einer Weile schloss sich auch mein Magen dem meines Kollegen an.
Die Kombination aus Höhe, Dehydration und permanenten Wackeln machte
uns halb komatös.
Glücklicherweise
erholte sich der Magen meines Freundes sich gegen Ende des Trips, wo
meiner erst richtig in Fahrt kam.
Ein
mitfahrender Ladakhi lud uns bzw. das ganze Taxi in eines seiner angeblich
vielen Guest houses ein.
Weil
uns nicht wirklich gut zu mute war, nahmen wir das Angebot dankend an.
Leider stellte sich heraus, dass der Kerl ein kleines Schlitzohr war
und gar keine Unterkünfte hatte sondern nur geltungsbedürftig
war. Nach über 20 Stunden hielten wir in einem kleinen Vorort von
Leh an, seinem angeblichen Haus.
Wir luden aus, er spielte sich seltsam auf und war verschwunden. Glücklicherweise
fanden wir dort noch ein Zimmer, mussten es halt bezahlen.
Meine
Versuche, meinen Wasserhaushalt aufzubessern, endeten immer mit einer
Bekanntschaft der ladakhischen Kloschüssel und die Kopfschmerzen,
welche die Dehydration verursachte, wurden auch immer unerträglicher.
Eine Kochsalzlosung muss sofort in meine trockenen Venen träufeln
und das schnell.
Mein
Freund fragte die Besitzer, ob nicht ein Onkel Doktor kommen konnte,
um seinem Kumpel die ersehnte Wasserration zu verpassen. Kommen nein,
aber wir fahren ihn kurz ins 6 Km entfernte Krankenhaus.
Der
besorgte Besitzer brachte mich in Windeseile ins lokale Hospital, wo
sich sofort ein Arzt mit einem T- Shirt mit Aufdruck zur Rettung Tibets
um mich kümmerte.
Ich war echt platt von der Hilfsbereitschaft der Ladakhis.
Als meinem Arm und Po ein paar Spritzen verabreicht wurden, musste die
Besitzerin unseres Guesthouses etwas schniefen, holte aber schnell das
Tempo heraus, um nicht zuviel aufsehen zu erregen.
Danach legte diese ältere, etwas kräftige Frau die Hand auf
meine Schulter und sagte: keine Sorge, alles wird gut.
Das berührte mich wirklich, sie kannte mich keine halbe Stunde
und mein Schicksal lag ihr so am Herzen, dass es ihr sogar Wert war,
ein paar Tranen zu vergießen.
Durch diese seltsame Ankunft machte ich gleich Bekanntschaft mit einer
der wichtigsten buddhistischen Maxime, nämlich der Nächstenliebe.
Meine
erste Nacht in Leh verbrachte ich dann gleich im Krankenhaus.
Am nächsten morgen entschied ich dann gegen die Anweisung des Arztes
das Krankenhaus zu verlassen, um endlich meine Ankunft bei Ladakh-Hilfe
zu melden.
Als
ich die Schwester fragte, was die Behandlung denn kostet, schaute sie
mich verdutzt an und meinte:
"It's hospital, thats free for everyone!!!"

Matthias
kann jetzt endlich in Leh mit den Kindern arbeiten