Ladakh im Juni 2005 Grosse Pläne
Viel Arbeit
Karolas dritter Einsatz in Ladakh
AUSBILDUNG
Das
zweite Physiocamp im April 2005 überraschte uns mit neuen durchgreifenden
Erfolgserlebnissen. 10 Tage lang wurden 31 Azubis (Lehrer und Healthworkers)
und fünf Eltern mit ihren behinderten Kindern auf das intensivste ausgebildet.
Als "Residential" Camp lebten die Leute die ganzen Tage zusammen
wie in einer Art Jugendherberge. Jeder brachte seinen Schlafsack und
die Lager wurden in den verschiedenen Räumen aufgeschlagen, gegessen
wurde immer zusammen. Die drei
Physiotherapeutinnen Julia Rentschler, Jana Eiben, Nicole van Gansewinkel und ich wohnten allerdings nur drei
Tage dort; zu den anderen Zeiten wurden wir morgens gebracht und abends
geholt. Wir lehrten ein intensives Programm Grundlagen der Physiotherapie
mit viel Praxis und instruierten über die verschiedenen Arten der Behinderungen.
Dazu wurden einige behinderte Kinder aus der Umgebung Lehs eingeladen,
die von den Azubis dann unter unserer Aufsicht examiniert und behandelt
wurden. Wir arbeiteten mit Bildpostern, Tafeln, Overheadprojektor und
Videofilmen, angefertigt von unseren Volontärinnen. Die praktischen
Übungen bereiteten den Teilnehmern am Anfang viele Schwierigkeiten,
da die Aufgaben ungewohnt und kulturell eine Herausforderung waren.
Aber nachdem der Nutzen des Praxis
sehr schnell erkannt wurde, konnten wir uns vor der Wissbegier
der eifrig und unter viel Gelächter Übenden nicht mehr retten. Die Eltern
und die behinderten Kinder saßen und lagen als erfrischender Faktor
immer mitten drin, lernten und viel wurde von ihnen gelernt.
Abends entspannten sich die Teilnehmer beim Basteln von therapeutisch
wertvollen Spielsachen und sie fassten das Gelernte gleich im PC als
Skript zusammen.
Zum
feierlichen Abschluss des Camps war Dr. Dawa, der Chief Medical Officer
von Ladakh (Er hat 1500 Leute unter sich, unter anderem auch 180 Healthworker
in ganz Ladakh und ist ein hoher offizieller Regierungsbeamter) eingeladen.
Ihm gefiel das, was wir gemacht haben, so gut, dass er uns in einer
anschließenden Besprechung beauftragte BIS ZUM ENDE 2005 ALLE SEINE
HEALTHWORKER in Ladakh in den Grundlagen der Physiotherapie auszubilden.
Damit hatte ich natürlich nicht gerechnet!!!! Das Ganze soll folgenderweise
ablaufen: Ende Juli/Anfang August (die letzte Woche im Juli und die
erste im August) gibt es ein spezielles Camp für 15 ausgesuchte Healthworker,
die als Mastertrainer von uns ausgebildet werden. Diese
hoch motivierte und gut englisch sprechende Gruppe wird von Dr. Dawa
selbst ausgesucht. Die sollen wir aufs intensivste in den Grundlagen
der Physiotherapie ausbilden. Das Curriculum (Lehrplan) für diese Aufgabe
haben wir eigentlich schon vom letzten Camp. Gemeinsam haben wir es
jetzt in Deutschland verbessert und ergänzt. Unsere Kooperationspartner
von NIRLAC werden auch ein Curriculum über ihren Einsatz im Camp schriftlich
fixieren und dann werden wir unsere beiden zusammenfügen. Dr. Dawa wird
das Camp selbst organisieren und Räumlichkeiten auf seinem Grund (dem
alten Krankenhaus in Leh) zur Verfügung stellen.
Dann
geht es im Oktober, November und Dezember mit drei Folge-Camps weiter.
Pro Camp kommen 60 der Healthworker, die eigentlich von den
Mastertrainers ausgebildet werden sollen. Unsere Physios fungieren
als Supervisoren und Helfer der
Mastertrainers. Auf diese Weise werden die 15 sehr gut in Grundlagen
der Physiotherapie ausgebildet und demzufolge in Ladakh und bei Dr.
Dawa eine besondere Stellung haben.
TRANSPORTATION
Die
Probleme der Transportation versuchten wir so zu lösen: Einmal in der
Woche geht es in eine Richtung nach Choklamsar/Mahabodi mit dem Mahabodi
Personalbus und spezieller Transportation in die Dörfer und zurück.
Ein weiterer Tag geht nach Stok und dem Palast mit Chauffeur vom König.
An beiden Tagen werden immer mehrere Kinder und Institutionen besucht.
Dann wird in regelmäßigen Abständen die Good Will Army School im 45
km entfernten Karu besucht. Ich war bei der Indian Army vorstellig und
bat um Möglichkeit der Transportation zwei Mal pro Woche in verschiedene
Dörfer. Ich habe auch Minister Rigzin Spalbur besucht und um Transportation
gebeten. Diese Möglichkeiten müssen erst noch bestätigt werden. Wir
sind jetzt offiziell von der Indischen Regierung beauftragt (Dr. Dawa),
die Einheimischen auszubilden, haben deswegen auch offiziellen Charakter
und können als NGO`s (Non-Government Officials) auch um die Hilfe der
Regierung bitten. Außerdem erhielten wir Unterstützung von einem Einheimischen,
Lobzang Vishudda, Besitzer einer Reiseagentur in Leh. Er stellt uns
seinen Jeep und Fahrer während der Wintermonate für einen geringen
finanziellen Beitrag zur Verfügung und hilft uns auch sonst bei der
Beantragung von Reiseerlaubnissen und anderen örtlichen Problemen (Siehe
Punkt Beratung).
Eine
weitere Nachricht aus Leh vom 28.5. berichtete von einem Mountainbike,
das von einem australischen Arzt für unsere Freiwillige gespendet wurde.
Mit dem können wir zumindest in Leh schneller unterwegs sein
..Wenn
das mal nur gut geht
..
KOMMUNIKATION
Das
Problem der Kommunikation lösten wir nicht mit einer Sekretärin, sondern
mit einem Mobil Telefon, das die Physios jetzt ständig zur Verfügung
haben und einen Festnetzanschluss in der Physio-Wohnung
mit Internetzugang. Die Berichte aus Leh über diese Kommunikationsbrücken
sind durchwegs positiv, vor allen Dingen die Tatsache, dass man den
Festnetzanschluss von Deutschland aus zu 8 Cent die Minute erreichen
kann
Außerdem brauchen wir dringen einen Laptop mit dem die gesamte
schriftliche Arbeit in unserer Wohnung erledigt werden kann. Der PC
von NIRLAC ist ständig besetzt oder defekt. Vor Ort kann man Drucker
usw. besorgen. Mit dieser Ausrüstung sind wir selbständig und können
unsere Arbeit vor Ort mit Hilfe des NIRLAC Personals organisieren. Alle
notwendigen Unterlagen und Infos sind in der Wohnung vorhanden und für
jede Physio einsichtig.
BERATUNG
Wir
haben Berater: Shiva, einer der Lehrer von der Moravian Mission, wird
unser technischer Berater. Er kennt sich sehr gut mit Elektrokommunitaion
(PC, Internet usw.) aus und erklärte sich bereit, offizieller Berater
der Physios zu sein. Er will nur ab und zu zum Essen eingeladen werden....
Dann ist da noch ein fantastischer Mensch, Lobzang Vishudda aus Leh.
Er hat ein Reisebüro und ist einer der führenden Männer in Leh. Er hilft
uns wo er nur kann und sein Office direkt neben der Gomsa wird
für uns ein regelmäßiger Anlaufplatz. Lobzang ist unser Berater in täglichen
Angelegenheiten: Reisen, Kultur, Leh, Permitts, Beratung usw. Ein weiterer
sehr guter Berater ist Mr. Sonam David von der Moravian Mission School.
Wenn man ihn um was bittet, passiert das schnell und zuverlässig.
BEHANDLUNGEN
Weitere
Kinderbehandlungen im NIRLAC Office in Leh und von denen betreute Kinder
werden mit Nirlac koordiniert. Es kommen immer mehr Behinderte, weil
sie von uns hören. Unser Ruf ist sehr, sehr gut und die Leute
vertrauen uns. Wir werden im Office von NIRLAC regelmäßige Sprechstunden
einrichten, wo die Behinderten zur Behandlung kommen können. Nicole van Gansewinkel fuhr anfangs Mai für vier Tage mit
zwei Jungs von Nirlac in die entlegene Gegend von Changtang (Nomadengebiet
im Osten von Ladakh) ins Sperrgebiet, um dort in entlegenen Dörfern
nach noch nie registrierten behinderten Kindern zu suchen, sie
zu befunden und behandeln. Kurz danach wurde eine weitere Reise mit
Nicole und Julia in das Nubra Tal organisiert, um dort das Gleiche durchzuführen.
Dr.
Dawa möchte, dass wir auch im S.N.Hospital mitarbeiten und ausbilden.
Er will eine spezielle Physiostation einrichten und uns einen Raum für
Behandlungen zur Verfügung stellen. Es gilt nun, mit gründlicher Vorbereitung
und Überlegung diese offene Türe zu durchschreiten. Er möchte auch eine
Station für Rehabilitation im Sinne von OT und Rehamittel einrichten.
In einem begrenzten Rahmen werden auch Erwachsene mit ihren multiplen
Problemen behandelt. Unsere Azubis, die bei vielen Behandlungen dabei
sind, sollen Einsicht in das große Spektrum unserer Arbeit erhalten.
DER KÖNIG
Ich
führte auch ein Gespräch mit dem König von Ladakh, Mr. Jigmet Namgyal,
in dem er sein großes Interesse an einer dauernden Zusammenarbeit mit
uns ausdrückte. Er möchte die die medizinische Betreuung der behinderten
Kinder (damit meint er auch unsere Physiotherapie) mit uns zusammen
ausbauen. Er will auch mit mir zusammen einen Vertrag der Zusammenarbeit
erarbeiten, der offiziellen Charakter hat und uns zusätzlichen Schutz
und Protektion für unsere Arbeit bietet. Außerdem baten wir ihn um einen
eigenen Behandlungsraum im NIRLAC Büro. Dort können wir dann alle Hilfs-
und Therapiemittel deponieren und regelmäßige Zeiten zur Behandlung für die Einheimischen anbieten.
TREFFEN DER VOLONTÄRE
Vom
20.-22. Mai fand in Günzburg ein Treffen von insgesamt 9 Freiwilligen
statt, die sich mit der Planung der zukünftigen Einsätze und dem Lehrplan
beschäftigten. Es wurde in den Gesprächen klar, dass die erste Anlaufphase
unserer Arbeit ausläuft und wir dabei sind, eine weitere Stufe der Entwicklungsarbeit
zu erklimmen. Strukturen sind jetzt festgelegt, die Organisation ist
besser geworden und die Ziele klarer definiert. Eine neue Phase der
Arbeit beginnt. Es wird gezielter gearbeitet und geplant. Viel wird
verlangt von den Volontären: selbständiges Planen, Durchsetzungsvermögen,
Eigeninitiative und kulturelle Umsichtigkeit. Sie arbeiten fantastisch
und können sich mittlerweile über den Respekt und die Anerkennung der
Einheimischen landesweit freuen.