Tag der Offenen Türe in unserem

Therapiezentrum RAC in Leh, Ladakh

Das größter Ereignis der vergangen Woche war die Eröffnungsfeier am Montag, den 20.7.2009. Dieser Tag wurde für uns alle zu einem unvergesslichen Erlebnis in jeder Hinsicht. Die Wochen und vor allen Dingen die Tage zuvor standen unter dem Schatten dieses Ereignisses, zudem musste das Datum auch noch zweimal nach hinten verrückt werden. Zuerst wollten wir das Fest am Samstag, den 18.7. abhalten, wurden dann aber informiert, dass wir keine Stühle haben konnten, weil eine große Versammlung der Regierung stattfand. Da Ladakh ja buchstäblich ein "Dorf" ist, war auch alles, was Rang und Namen hat und somit auf unserer Gästeliste stand, auf dieser Versammlung. Das Gleiche galt für den Sonntag, an dem die Polizei eine riesige Versammlung abhielt und die Stühle benötigte. So entschlossen wir uns für den Montag und dieser war, wie wir feststellen konnten, der ideale Termin.

Aber vorerst gab es noch Arbeit auf Hochtouren. Simone, unsere Designerin, entwarf kindlich frische Einladungskarten und stritt sich mit dem Drucker um jedes Detail, bis alles so war, wie wir es uns vorstellten. Dolkar und Kunzang verbrachten viel Zeit damit, die Einladungskarten persönlich zu verteilen. Auf die Schnelle überlegten wir uns noch große Poster mit den Titeln "Wer wir sind", "Was wir tun", "Fieldtrips" und eine hierarchische Aufstellung der Mitarbeiter unserer beider Organisationen. Wir ließen T-Shirts mit dem REWA Logo anfertigen, die alle Angestellten und Freiwilligen tragen sollten. Deutsche Touristinnen, die bei Mr. David logierten, bemalten fast 100 Steine mit unserem REWA Logo und anderen lustigen Motiven, um sie später an die Gäste zu verschenken. Vier Behandlungsliegen hatten wir beim örtlichen Schmied in Auftrag gegeben, sie wurden ordentlich gepolstert rechtzeitig in der Woche zuvor geliefert, allerdings wichen die Dimensionen (Höhe und Breite) weit von unseren Angaben ab. Egal, das kann nachbearbeitet werden. Der Kokosnaturteppich kam Anfang der letzten Woche an, er wurde erst am Samstag, den 18.7. verlegt, nachdem der Maurer noch diverse Löcher im Betonboden und an den Treppen gerichtet hatte. Die Zimmerer und Maler arbeiteten auch bis zum Sonntag, um die verschiedenen Regale und Therapiekisten fertig zu stellen.
Mittendrin wir, die Kinder bei der Behandlung, Gäste aus aller Welt, die immer wieder mal rein platzen und Mr. David, der mit seiner Beharrlichkeit und Zuverlässigkeit die ganze Sache voll im Griff hatte. Wir wussten z.B. nicht, dass er mit der Musikband, die den Eröffnungstag umrahmen sollte, mehrere Abende passende Lieder herausgesucht und mit den engagierten Musikern ein völlig neues Lied für unsere Kinder mit Behinderungen entworfen hatte. Die Gruppe stellte ihren Dienst völlig unentgeltlich zur Verfügung. Unsere Freiwilligen suchten über 60 Bilder unserer Kinder heraus, ließen sie in DIN A 4 Größe drucken und klebten sie auf Holzbretter, die uns die Schreiner noch ganz nebenbei herausgesägt hatten. Ein angeheuertes Putzteam reinigte die Fenster und die Räume und befreite den Platz vor dem Haus von Unkraut und Staub.

Voller Erwartung schauten wir auf den Montag, der mit blauem Himmel anbrach. Die einheimischen Angestellten hatten die Gesamtorganisation übernommen, wir füllten die Details. Wagenweise holten sie schon am 11 Uhr Kinder und ihre Eltern ab. Ein Cateringservice baute Tische auf, versorgte uns mit Tee und Keksen, während wir arbeiteten. Erst mussten noch Latten an den freien Stellen an der Wand angebracht werden, dann hämmerten die Freiwilligen selber los und hingen die Bilder auf. In einer Ecke wurde ein Fernseher mit DVD aufgebaut, dort zeigten wir unseren Deutschen Film über Ladakh und eine DVD mit Bildern von unseren Kindern. Die Band baute um 12 Uhr auf und schmetterte ihre Lieder (von Country Western über moderne Musik zu Hindi Songs) lustig in die Umgebung und lockte reichlich Neugierige an. Ich war sehr überrascht über die hohe Qualität der Darbietung und die Freundlichkeit der Musiker. Im Behandlungsraum lief der Betrieb auf Hochtouren. Uwe und Georg pumpten Pezzibälle auf, räumten Spielsachen in die Regale, und hingen Luftballonketten, von den Kindern und Angestellten angefertigt, an hohen Vorhangstangen quer durch den Raum auf. Das Putzteam war immer noch da, verbrannte Müll, reinigte die Stühle, half wo immer nötig. Viele Kameras blitzten und warteten auf mehr Objekte während der Feier.
Die Behindertenorganisation PAGIR (sie arbeiten mit erwachsenen Behinderten, indem sie ihnen Jobs verschaffen) baute einen Stand in einem unserer Räume auf. Draußen vor dem Gebäude wurde eine riesige Plane ausgelegt, auf der 150 Stühle aufgestellt wurden, die Rückseite der Sitzgruppe gedeckt von Stellwänden.
Gegen 15:30 Uhr trudelten die ersten Gäste ein. Wir begrüßten sie und führten sie in unsere Räume und ließen sie an dem bunten und lustigen Leben teilhaben. Immer mehr Gäste kamen und die Therapeuten fingen an, mit den Kindern und deren Eltern Lieder zu singen und Spiele zu spielen. Höchst interessiert beobachteten die Gäste das Treiben, so etwas hatten sie noch nie gesehen, vor allen Dingen so viele Kinder mit Behinderungen auf einem Platz, die mit gesunden Kindern spielten, sich gegenseitig liebkosten; Kinder, die lachten, sich freuten und intensiv am Geschehen teil nahmen.
Die Gäste nahmen auf den bereitgestellten Stühlen platz, die Kinder mit Eltern und von der Musik herbei gelockte Neugierige gesellten sich dazu. Dolkar war die erste, die mit einer Einführungsrede begann, dann folgte ich mit einer Historie der Entwicklung von Ladakh-Hilfe/REWA, danach sprach Mr. David. Sonam, das Mädchen, das wir letzten Herbst wegen offenem Rückenmark in Delhi operieren ließen, erzählte über ihre Erfahrungen mit REWA, Kunzang machte den Schluss mit einer Einladung zum Essen (Heavy Tea). Die ganzen Reden dauerten nicht länger als 25 Minuten. Wir brachen mit einer eingefleischten Sitte in Ladakh: Normalerweise hält einer der besonders wichtigen Gäste eine lange Rede. Obwohl wir sogar den Circuit Commissioner, den höchsten Regierungsoffiziellen Leh mit Polizeischutz da hatten, wollten wir unsere Kinder in den Mittelpunkt stellen. Überraschenderweise wurde das sehr gut aufgenommen und sogar der Commissioner äußerte sein Wohlwollen über unsere Vorgehensweise.
Als jeder mit dem Essen beschäftigt war, mischten wir uns unter die Besucher und erzählten von unserer Arbeit. Drei "wichtige" Männer aus Kargil kamen zu mir, emotional von unserer Darbietung und der Arbeit sehr berührt. Sie flehten uns an, ihnen zu helfen, in Kargil auch eine solche Arbeit aufzubauen. Ich weiß, dass in dieser muslimischen Gegend, die größer ist als Ladakh, überhaupt keine Hilfe für die Behinderten besteht und hatte schon oft darüber nachgedacht, wie man dort wohl helfen konnte. Für uns ist es eine Sache der Unmöglichkeit, von Leh aus dieses riesige Gebiet zu betreuen. Im Staffmeeting nach der Eröffnungsfeier diskutierten wir über diese Anfrage und beschlossen, diesen leitenden Männern aus Kargil folgendes Angebot zu unterbreiten: Sie sollten zwei Frauen mit Interesse an dieser Arbeit und einem gewissen Bildungsstand aussuchen und für ½ Jahr zu uns nach Leh senden. Sie können uns helfen und bei der Arbeit lernen. Das wäre ein sinnvoller Anfang, alles Weitere würde sich ergeben.

Die Gäste verzogen sich, wir räumten auf und brachten die Kinder nach Hause. Unsere Freiwilligen und Angestellten feierten den erfolgreichen Tag bis spät in die Nacht hinein, für mich kam nur noch das erholsame Bett in Frage. Wir sind alle sehr glücklich über diese tolle Feier und das positive Feedback.

Bildergalerie

Unsere Behandlungsbänke - Our treatment tables

Neue Regale mit viel therapeutischem Material - New shelves with lots of therapeutic material

Simone hängt die Poster auf - Simone is hangig up the posters

Cuskit und ein Kind warten auf Besucher - Chuskit and a child are waiting for visitors

Neue Spielsachen - New toys

The Band

Bälle und TV - Gymnasticballs and the TV

Schuhregale - Shelves for shoes

Lustige neue Spielsachen - funny new toys

Welcome Team

Kinder und Eltern im Kreis - Children and parents in a circle

Leere Stühle - empty chairs

Volle Stühle - chairs with visitors

Dolkar

Karola

Mr. David

Patient speaking - Patientin hält Ansprache

Essen nach den Ansprachen - Food after the speeches

Brett für die Sponsoren - Board for the sponsors

Karola Kostial




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